Paul Ege
Allgemein
27.06.19
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Zum Tod von Paul Ege: Im Garten der Farben

Paul Ege war ein fundamentaler Beweger im kulturellen Leben Freiburgs, ein Freund der Kunst und der Musik. Nun ist der Sammler, Stifter und Mäzen gestorben. Eine Würdigung.

Man hat seine Stimme noch im Ohr, die Grußworte, wenn es wieder eine Ausstellung zu eröffnen galt in seinem Kunstraum im Freiburger Norden. Das waren noch immer die schönsten Einladungen zum Schauen. Paul Ege wollte, was er liebte, nicht für sich allein. Er war der Ansicht, dass die Kunst keine Schwellen verträgt, dass sie nicht dazu da ist, sich in geschlossenen Räumen rar zu machen. Öffentlichkeit war ihm eine Verpflichtung. Man fühlte sich gewollt, da im Kunstraum Alexander Bürkle, im großzügigen Obergeschoss des Firmengebäudes.

Er war ein fundamentaler Beweger im kulturellen Leben der Stadt. Der Geschäftsmann nutzte die erarbeiteten Möglichkeiten freigebig und zielsicher. Er richtete die Ege Kunst- und Kulturstiftung ein, in die sein Kunstbesitz einging. Ohne ihn, den Musikfreund, wäre auch der Bau des Freiburger Ensemblehauses kaum möglich gewesen, mit den Proberäumen für zwei bedeutende Klangkörper, das Barockorchester und das ensemble recherche. Jetzt ist Paul Ege – der Sammler, Stifter, Mäzen, Senior-Gesellschafter des Technologiedienstleisters Alexander Bürkle – ganz unerwartet gestorben; 83 Jahre ist er alt geworden.

Der Rückzug aus der Leitung der Firmengruppe gab ihm am Ende der 1990er die Zeit, sich seinem kulturellen Interesse zu widmen. Der Sammler brauchte keinen Kunstberater als Souffleur. Er wollte nicht wissen, was andere ansagen. Er wollte mit der Kunst kein Ansehen sammeln, nicht auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit bloß ein weiterer Schausteller sein. Die Geschichte seiner Sammlung ist die seines Sehens. Und die einer Leidenschaft. Vor einem Nürnberger Schaufenster fing sie in frühen Jahren an. Der Liebe zur Kunst war der Geldbeutel damals noch nicht recht gewachsen. Und vieles von dem, was beizeiten zusammenkam, hat heute im Schaubild der Sammlung keinen Platz mehr. Die hat sich mehrfach gehäutet bis sie war, was sie ist.

Eine Augenoperation, wie Paul Ege erzählte, wandelte das Verhältnis zur Kunst. Ihm wurden mit dem Eingriff die verlorenen Farben zurückgegeben. Der wiedergewonnene Sehsinn muss ihm wohl wie ein neuer Lebensgeist erschienen sein. Damit wurde eine programmatisch auf die Wirkung der Farbe konzentrierte Malerei zu seinem Gegenstand: Radical Painting. Wichtig in dem Moment die Galerie Krohn in Badenweiler.

Da war die Kunst in kein luftleeres Separee gesperrt. Da war sie ein Teil des Lebens, so wie der Garten auch. "The house in the garden" beschrieb die große Alte Dame der Radikalen Malerei, Marcia Hafif. Paul Ege und seine Frau Helga widmeten dem Sohn der Galeristin Luise Krohn, Ekke Duis, zum Andenken eine Publikation. Die Erinnerung galt einem empathischen Mann mit einem intuitiv sicheren Blick – und einer nun längst verlorenen Szenerie. "Geblieben sind uns außer vielen erworbenen Bildern", schrieben die Eges, "zwei Passionsblumen aus dem Garten und ein größerer Geranienstock mit Blüten in Geiger Pink." Auch der hier mit der Hinteren Au in Badenweiler verknüpfte Rupprecht Geiger hat mit seinem vielen hohen Rot in dem vom Sammler Paul Ege angelegten Garten der Farben eine einleuchtende Stellung.

Ist es denn eine schwierige Kunst, für die dieser Liebhaber steht? Nein, es scheint dies nur so, wenn man darin das Falsche sucht. Sie ist nicht vertrackt. Sie kennt kein Geheimnis, keinen Hintersinn. Alles, was sie fordert, ist: dass man sich ihr mit offenen Augen nähert. Dann erklärt sie sich selbst. In die Todesanzeige war jetzt eine wunderbar treffende Satzfolge eingerückt, ein Zitat der Malerin Agnes Martin: "Du gehst einfach hin und sitzt und schaust. Es ist eine einfache Erfahrung. Man wird leichter und leichter und möchte nichts anderes mehr tun."

Sehen ist keine Selbstverständlichkeit. Es braucht dies Sich-Einlassen. Dann zahlt es sich leicht aus. Die Einsicht hatte Paul Ege. Und den Gewinn daraus, von dem er so viel weitergab. Als er den Kunstraum eröffnete, war ihm klar, dass es nicht um die Präsentation einer stehenden Sammlung gehen könnte, es Sichtwechsel bräuchte und eine Offenheit des Konzepts. Er hat der Kollektion mit seiner Augensinnlichkeit eine Richtung gegeben. Dabei mit der Vorliebe für die rein farbige Malerei kein Korsett aufgezwungen. Die Zukunft hat er ihr gesichert, indem er ihr eine institutionelle Struktur beigab. Das Team um Julia Galandi-Pascual bestimmt nun den Fortgang, ohne den Hausherrn im Hintergrund. Der hat die nötige Vorsorge getroffen, dass es ohne ihn weitergeht. Es kam darin noch einmal seine andere Seite, der organisatorisch praktisch denkende Geschäftsmann, zur Geltung. Und so lässt sich in diesem Augenblick der Trauer sagen: Welch ein Glück er war!

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