Besprechungsszene bei Alexander Bürkle
smart industries
03.07.19
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Digitalisierung – die Technik kommt zuletzt

Die digitale Transformation eines Unternehmens ist ein enormer Veränderungsprozess, der häufig nur wenig mit Technik zu tun hat, sondern vielmehr eine neue Denkweise in der Organisation selbst erfordert.

„Keine Zukunft ohne Innovationen!“ So könnte das Motto von Unternehmen lauten, die die Chancen der digitalen Transformationen für sich erfolgreich nutzen möchten. Das Problem ist: es werden immer weniger Unternehmen, die regelmäßig Innovationen hervorbringen. Die Innovationsquote (Anteil der mittelständischen Unternehmen, die in den vergangenen drei Jahren Innovationen hervorgebracht haben) ist seit den 90er-Jahren von 50 Prozent auf ca. 35 Prozent gefallen. Und Unternehmen mit wenig Erfahrung mit Innovationsprozessen tun sich naturgemäß schwerer mit Veränderungsprozessen wie sie beispielsweise durch die Digitalisierung notwendig werden. Denn Erneuerungen bringen Risiken mit sich, sonst wären es keine. Und natürlich ist nicht alles Neue bedingungslos gut und alles Alte schlecht. Fakt ist aber: Das Neue kommt und Unternehmen müssen damit umgehen!

Daraus folgt auch, dass eine zentrale Herausforderung der digitalen Transformation darin liegt, kulturelle und strukturelle Aspekte so anzupassen, dass eine ständige Bereitschaft zur Veränderung entsteht. Sonst bleiben digitale Innovationen weiterhin Inselprojekte und können nicht ihr ganzes Potenzial entfalten. So bleiben Chancen von Automatisierungsprozessen weitgehend unerkannt. Denn die Mehrzahl der Unternehmen hat eher klassische Erwartungen an Automatisierung und verspricht sich vor allem eine höhere Effizienz von Arbeitsabläufen, geringeren Personalbedarf und niedrigere Kosten. Weitere Vorteile wie beispielsweise neue Leistungen, Produkte oder neue Geschäftsmodelle werden nach wie vor noch selten in Betracht gezogen.

Blickt man beispielsweise auf die digitalen Giganten wie Google, Facebook oder Amazon, so erkennt man, dass diese ganz anders ticken als klassische Unternehmen. Für sie bildet Innovation die Basis ihres Erfolgs. Aus diesem Grund setzen sie – wo möglich – auf neue Technologien und entwickeln sie häufig sogar selbst weiter. So sind Google und Facebook beispielsweise treibende Kräfte in der KI-Forschung, Amazon hat maßgeblich Logistik und Webhosting weiterentwickelt und Apple Telekommunikation, Musikkonsum und Fotografie neu definiert. Im Mittelpunkt all dieser Unternehmen steht stets der Kunde bzw. das Kundenerlebnis. Sie versuchen, ihren Kunden alle unnötige Komplexität abzunehmen und für sie zu lösen.

Damit reduziert sich in der Regel die Variantenvielfalt. Was zunächst wie ein Nachteil klingt, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Für klassische Unternehmen, die ihr Geschäft digitalisieren wollen, bedeutet dies, dass sie ihre Prozesse neu organisieren müssen – und das Kundenbedürfnis und das Kundenerlebnis in den Vordergrund stellen. Zudem müssen die Produkte und Services neu definiert werden. Dabei ist es das Ziel, die Variantenvielfalt zu verringern und die Technologie vom Hilfsmittel zum Treiber zu machen.

Der Weg dorthin ist jedoch steinig. Zu den Stolpersteinen gehören zum Beispiel technologische Altlasten wie veraltete IT-Systeme, enormer Variantenreichtum, an den die Kunden gewöhnt sind, unklare Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Unternehmensbereichen, die der Kunde dann in Form von langen Lieferzeiten zu spüren bekommt oder die jahrelang eingeübten Routinen der Mitarbeiter.

Der Unternehmenskultur kommt deshalb bei einem solch gravierenden Transformationsprozess, wie ihn die Digitalisierung erforderlich macht, eine ganz besondere Bedeutung zu. Es gibt tatsächlich häufig gute Gründe, warum manche Dinge lange auf eine bestimmte Art und Weise gemacht wurden. Nur stehen diese Gründe der digitalen Transformation nun im Weg. Die Herausforderung besteht darin, die Menschen dafür zu begeistern, sich und ihre Produkte für die Digitalisierung neu zu definieren. Es wird also eine andere Denkweise benötigt, die Technik folgt dann quasi erst zuletzt.

Digitalisierung heißt im Kern also nicht, Fax durch E-Mail zu ersetzen. Sie bedeutet, Menschen mit überzeugenden Ideen, Konzepten und Plänen abzuholen und für den Aufbruch ins digitale Zeitalter zu gewinnen. Hat man das geschafft, muss man sich „nur“ noch um die technologischen Herausforderungen, die Neudefinition der Produkte und Services sowie um das Kundenerlebnis kümmern.

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Sebastian Wiekenberg, Digitalisierungscoach bei Alexander Bürkle
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