Person steckt LAN Kabel in Laptop
smart industries
11.04.19
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Aus ISDN wird All IP

FREIBURG – Seit dem Jahr 2016 stellen alle bedeutenden Telekommunikationsprovider die bestehenden Analog- und ISDN-Anschlüsse auf All-IP-Anschlüsse um. Als letzter folgt diesem Beispiel nun auch die deutsche Telekom mit ca. 20 Millionen Anschlüssen im privaten und kommerziellen Umfeld.

Was sind die Gründe und wie sehen die Folgen für die Telekommunikationswelt aus? Wie immer spielt natürlich das Thema Effizienz eine große Rolle. Jeder Analoganschluss hat eine Speisespannung von 48–60 V und bei ISDN schlägt sogar eine Speisespannung von 100 V zu Buche. Bei All IP wird keine Speisespannung mehr zur Verfügung gestellt und schlägt sich somit in einer enormen Energieersparnis in den Vermittlungsstellen nieder. Wenn man dies nun mit dem Faktor 20 Millionen multipliziert und das auf 24 Stunden/7 Tage bzw. 365 Tage berechnet, wird das Einsparpotenzial offensichtlich. Ein weiterer Einfluss ist, dass die Baugruppen für die Vermittlungsstellen im analogen und ISDN-Bereich nicht mehr gefertigt werden und somit keine Verfügbarkeit mehr gegeben ist. Damit ist eine Migration auf All IP unumgänglich. Eine grundlegende Änderung bei dieser Umstellung wird sein, dass die Rufnummern nicht mehr ortsgebunden sind und somit beispielsweise eine Freiburger Rufnummer (0761-5106….) auch in London betrieben werden kann. Begriffe, die immer wieder mit dem Thema All IP in Verbindung gebracht werden, sind:

SIP = Session Initiation Protocol   RTP = Real Time Protocol   QoS = Quality of Service

Aufbau einer VoIP-Verbindung

Für den Aufbau einer VoIP-Verbindung sowie für die Übertragung von Identifikations- und Protokollinformationen wird SIP verwendet. Die Sprachübertragung wird bei VoIP über RTP realisiert. QoS ist ein Leistungsmerkmal von aktiven Netzwerkkomponenten, also Switches und Routern. QoS regelt die Priorisierung der Sprache im Netzwerkverkehr, das bedeutet, dass ein VoIP-Sprachpaket mit einer höheren Priorität als ein Datenpaket behandelt wird. Dies ist natürlich wichtig, da bei einer netzwerkbasierenden Sprachübertragung Delays (Verzögerungen) oder Jitter (Datenpakete mit falscher Taktung) störend sind. In Zukunft wird auch die Bandbreite des DSL-Anschlusses entscheidend sein. Eine VoIP-Sprachverbindung benötigt ein Upload von 100 Kbit/s pro Gespräch. Klassischerweise ist bei allen ADSL/VDSL-Anschlüssen der Upload dramatisch geringer als der Download. Dieser Gesichtspunkt sollte zwingend bei jeder Projektierung betrachtet werden. Die Umstellung auf All IP stellt ebenfalls neue Aufgaben für viele Kommunikationsteilnehmer, z. B. Einbruchmeldeanlagen, Brandmeldeanlagen, Notruftelefone, EC-Cash­geräte und Meldegeräte aus der MSR-Technik (Melde-, Steuer- und Regeltechnik) im industriellen Umfeld. Das bedeutet, auch in diesen Bereichen müssen neue Kommunikationswege gefunden werden bzw. redundante Lösungen zum Beispiel per GSM zur Verfügung stehen. Als weiteres ist eine Pufferung der Router im Netzwerk durch eine USV zwingend erforderlich, da ohne Routerfunktionalität keinerlei Kommunikation dieser Kommunikationsteilnehmer möglich ist.

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