ZVEH: Digitalisierung im Mittelpunkt

Digitalisierung und Qualifizierung von Mitarbeitern für die digitale Welt waren die Schwerpunkte des E-Kongresses, den der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) am 15. und 16. September in Bonn veranstaltete.

ZVEH-Präsident Dipl.-Ing. Lothar Hellmann auf dem E-Kongress. (Foto: ZVEH/Christoph Buenten)

Rund 100 Obermeister aus ganz Deutschland trafen sich in Bonn zum E-Kongress. Die Diskussionen mit Vertretern aus Industrie, Elektrogroßhandel und Wissenschaft mündeten in der „Bonner Erklärung“ der E-Handwerke. Darin werden die große Bedeutung der Digitalisierung und die Rolle der E-Branche im Rahmen dieser Entwicklung hervorgehoben.
 
Im Mittelpunkt der Erklärung stehen fünf Aspekte: Wertschöpfungsketten, Neue Services, Kooperation und Eigenständigkeit, Qualifizierung und Markenpolitik. ZVEH-Präsident Lothar Hellmann fasste den Inhalt zusammen: „Zunehmend kristallisiert sich heraus, dass es immer weniger darum geht, den Kunden Produkte im herkömmlichen Sinn anzubieten. Vielmehr rückt die perfekte Dienstleistung in den Fokus.“ Wer in dem sich stetig wandelnden Umfeld erfolgreich bleiben wolle, müsse somit seinen Service optimieren. Dies bekräftigte auch Dr. Jens-Uwe Meyer (Innolytics). Der Gastreferent betonte, dass der „digitalisierte Kunde“ zunehmend höhere Ansprüche an seine Dienstleister stelle.

Direkten Kundenkontakt wahren
 
„Für die gesamte E-Branche ist es daher besonders wichtig, weitreichenden Zugang zu modernen Technologien, Daten und Software zu erhalten, um passgenaue Service-Modelle entwickeln zu können“, so Hellmann. Die E-Handwerke ständen vor der Herausforderung, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Industrie und Großhandel an die neuen Anforderungen anzupassen. Für alle sei es essentiell, ihre jeweiligen Stärken in den Wertschöpfungsketten auszubauen, ohne dabei in die Kernkompetenzen der Mitstreiter einzugreifen. Der ZVEH-Präsident sagte: „Für die E-Handwerksunternehmen ist es elementar, die Freiheit bei der Wahl der Produkte und bei der Kalkulation zu behalten. Vor allem aber müssen sie ihre Selbstständigkeit sowie den direkten Kundenkontakt wahren und dürfen sich nicht in die Rolle des Subunternehmers drängen lassen.“ Von der Sichtbarkeit der E-Handwerksbetriebe im Markt würden wie bisher die Verbraucher profitieren – und auch die Partner.

Mit Industrie und Elektrogroßhandel steht der ZVEH kontinuierlich in Kontakt, um die künftigen Schritte abzustimmen. Hans-Georg Krabbe (Vorstandsvorsitzender ABB Deutschland) begrüßte den konstruktiven Dialog mit den E-Handwerken. Die Digitalisierung biete der E-Branche die größten Chancen seit der Elektrifizierung, die man man gemeinsam nutzen müsse.

Dafür sollte auch ein besonderes Augenmerk auf die Qualifizierung der Fachkräfte gelegt werden, sagte Dr. Christian Welzbacher, Leiter des Heinz-Piest-Instituts. Insbesondere die Ausbildungsinhalte müssten den neuen digitalen Aufgabengebieten der E-Handwerke gerecht werden. In einem Pilotprojekt des ZVEH in enger Kooperation mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sei auch festgestellt worden, dass sich die Ausbildungsformen wandeln müssen und auch das Profil der Ausbilder neue Qualifikationen erfordert. Weitere Ergebnisse des Projekts würden in den nächsten Wochen präsentiert.

Agenda zur Digitalisierung im E-Handwerk

Ergänzend stellte ZVEH-Vizepräsident Christoph Hansen die „Agenda zur Digitalisierung im E-Handwerk“ vor, deren Inhalt als Basis für die Bonner Erklärung diente. In Podiumsdiskussionen wurden abschließend zahlreiche Facetten der Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die E-Branche diskutiert. Neben Meyer, Krabbe und Welzbacher nahmen daran auch Holger Heckle (VEG), Adalbert Neumann (Busch-Jaeger), Karlheinz Reitze (Viessmann) und Thorsten Janßen (BFE Oldenburg) teil. Sie stimmten unter anderem darin überein, dass die zunehmend von den Kunden nachgefragten Beratungen bepreist werden müssten, um im Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Individuelle Beratung vor Ort sei vor allem ein großer Trumpf im Verhältnis zu großen Wettbewerbern wie Amazon oder Google, die diesen Service aufgrund ihrer Strukturen nicht leisten könnten.

Hellmann resümierte: „Der konstruktive Austausch mit unseren Partnern hat gezeigt, welch große Bedeutung der E-Kongress schon mit seiner zweiten Ausgabe gewonnen hat. Wir sind zuversichtlich, die vor uns liegenden Aufgaben gemeinsam erfolgreich zu meistern und die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können.“ Ziel sei es zudem, aus dem Kreis der Industrie- und Großhandelspartner weitere Unterstützung für die Bonner Erklärung zu erhalten. „Bei den wichtigen Weichenstellungen der Zukunft müssen wir an einem Strang ziehen. Die Agenda Digitalisierung, die nicht statisch ist und von uns kontinuierlich weiterentwickelt wird, setzt zusammen mit der Bonner Erklärung die Leitplanken für das Agieren der gesamten E-Branche.“

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