VDE: Bezahlsysteme können Elektromobilität ausbremsen

Zur IAA veröffentlichte der VDE eine Studie zur Rentabilität von Bezahlsystemen an Ladetankstellen. Ein Ergebnis: Einige übliche Bezahlsysteme lohnen sich nicht. Das bremst den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Die Elektromobilität dürfe nicht am Laden scheitern, sagt der Technologieverband VDE. (Grafik: VDE)

Um 36,9 Prozent stieg im September die Zahl der registrierten Elektrofahrzeuge im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilt das Kraftfahrzeug-Bundesamt mit. Ein Erfolg – dennoch bleibt die Zahl der E-Autos sehr überschaubar, denn die absolute Zahl liegt bei 2.247 Einheiten. Insgesamt wurden in Flensburg im September 288.035 fabrikneue Pkw registriert; damit machen die Stromer nicht einmal ein Prozent aus, Dieselskandal und emotionale Debatten hin oder her.

Es herrscht also „immer noch Skepsis“, sagt der VDE. Käufer schrecken mangels Ladeinfrastruktur und Reichweite vom Kauf zurück, potenzielle Betreiber von Ladetankstellen schrecken angesichts zu geringer Einnahmen vor dem Bau derselben zurück – ein klassisches Henne-Ei-Problem.

Wie Betreiber mit Anreizen gelockt werden können, untersuchte der VDE in einer Studie, die anlässlich der IAA in Frankfurt erschien. Ihr Titel: „Ad-hoc-Laden und spontanes Bezahlen: Wie sich punktuelles Aufladen umsetzen lässt“. Mit Ad-hoc-Laden ist gemeint, was wir als normales Tanken seit Jahrzehnten praktizieren: An die Tankstelle fahren, tanken, zahlen, weiterfahren.

„Was zunächst banal klingt, birgt viel Sprengstoff in der Umsetzung“, erklärt Dr. Wolfgang Klebsch, Experte für Elektromobilität im VDE und Autor der Studie. „Während das Betanken eines Autos mit Verbrennungsmotor an einer Zapfsäule selten mehr als eine Minute dauert und der Bezahlbetrag meist über 20 Euro liegt, sind die Verhältnisse an einer Ladesäule für Elektroautos deutlich ungünstiger.“ Das Aufladen an einem 11‐kW Ladepunkt könne je nach Ladezustand der Batterie ein bis zwei Stunden dauern. Und für den Betreiber kämen fünf bis maximal zehn Euro an Betrag raus.

„Die zu erwartenden Margen sind schlichtweg zu gering. Unter den Voraussetzungen ist keiner bereit, eine Ladeinfrastruktur aufzubauen und zu betreiben“, so Klebsch. Er untersuchte deshalb im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, wie sich die Kosten für die angebotenen Bezahlsysteme in Grenzen halten lassen.

Online Bezahlsysteme unrentabel

Die Studie zeigt anhand einer Bewertungsmatrix geeignete Bezahlsysteme für das so genannte Ad-hoc-Laden. Untersucht wurden Geschäftsmodelle für die klassische Ladeinfrastruktur (LIS)-Betreiber (Stromversorger, Stadtwerke, Roaming‐Provider), für LIS‐Quereinsteiger (Autobahnraststätten, Tankstellen, Parkhäuser) und für Händler und Dienstleister von Mehrwertdiensten (Supermärkte, Baumärkte, Hotels, Restaurants).

Ein überraschendes Ergebnis ist, dass die auf der Betreiberseite anfallenden Kosten sehr breit gestreut sind. Von daher rät Wolfgang Klebsch davon ab, pauschal auf gängige Online‐Bezahlsysteme zu setzen. Denn angesichts der an Ladesäulen anfallenden geringen Bezahlbeträge und Margen erweisen sich gerade die einschlägigen Online‐Bezahlsysteme via Smartphone oder Kreditkarten als besonders teuer. Demgegenüber stelle sich die konservative Prepaid‐Bezahlfunktion GiroGo auf EC‐Karten für diese Anwendung als eine für die Betreiber kostenmäßig sehr günstige Lösung dar, da hier Gebühren von nur 1 bis 4 Cent pro Transaktion anfallen.

„Bei dieser Lösung muss der Nutzer allerdings mitspielen. Von ihm wird erwartet, dass er seine Geldkarte regelmäßig mit Bargeld auflädt“, sagt Klebsch. Für den Autofahrer würde das bedeuten, die Bequemlichkeit ein Stück weit aufzugeben. Dafür werde das Tanken billiger.

Dazu ist es selbstverständlich auch nötig, dass der fürs E-Auto geladene Strom korrekt abgerechnet wird. Diese „eichrechtskonforme Abrechnung des Stroms beim Laden von Elektrofahrzeugen“ ist noch nicht umfassend geklärt, teilte der VDE im Juni mit. Das notwendige Regelwerk wird als VDE Anwendungsregel „AR 2418-3-100 Elektromobilität: Messsysteme für Ladeeinrichtungen“ veröffentlicht und dann in die europäische und internationale Normung eingebracht.

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